Das Transit Filmfest zeigt ALICE (NĚCO Z ALENKY): So habt ihr Alice noch nie gesehen! Jan Švankmajers Stop-Motion-Wunderland entpuppt sich als finsterer Altbau-Keller und zieht euch in seine amoralische, zutiefst faszinierende Traumlogik.
Neugierig folgt die kleine Alice dem gerade zum Leben erwachten White Rabbit durch eine Schublade und findet sich zwischen allerlei Gerümpel und Schmutz in einer absurd düsteren Variante von Lewis Carrolls Wunderland wieder: Unentwegt löffelt das Kaninchen Sägespäne in sich hinein, um die Füllung zu ersetzen, die aus seinem klaffenden Bauch rieselt; die Raupe ist eine alte, dreckige Socke mit menschlichem Gebiss; andere Kreaturen bestehen aus echten Tierskeletten oder Haushaltsmüll.
Jan Švankmajers ALICE gilt als eine der unheimlichsten und faszinierendsten Literaturverfilmungen überhaupt. Statt Dialogen setzt ALICE auf ein hypnotisches Voice-Over, statt Magie herrscht im Wunderland mechanischer Zeitraffer. Doch gerade deshalb wirkt diese Vision von Kindheit radikal authentisch: grotesk, grausam und immer neugierig. Wie in seinen späteren Werken (LUNACY, FAUST) verbindet Švankmajer hier Puppentrick, Realfilm und Objektanimation zu einer gruseligen Stop-Motion-Collage. Das Ergebnis ist kein Film für Kinder, sondern ein surrealer Traum über das Kindsein.
Jan Švankmajer | CZE/CHE/GBR/BRD 1988 | 86′ | OmeU