Das Transit Filmfest zeigt WORRY TIME: Weibliche Wut, komplizierte Körper und die Zumutungen des Verzeihens: ein herrlich unaufgeräumter Microbudgeter, besessen vom eigenen Vaginalsekret.
Drehbuchautorin Annette steht womöglich der große Durchbruch bevor. Endlich soll ihr Skript realisiert werden: ein feministisches Sci-Fi-Psychodrama mit viel Kunstblut, das auf einem persönlichen Trauma basiert. Dass die alten weißen Produzenten ihr im Videocall nur drei Wochen für den Dreh geben und der Film noch gar kein Ende hat, ist Annettes geringstes Problem. Denn das zugrunde liegende Trauma ist nicht ihr eigenes. Es ist die Geschichte ihrer besten Freundin Vivian, die mit einem Mann zusammen ist, der ihr einst Gewalt angetan hat. Vivian hat ihm verziehen, und alle anderen ziehen mit. Nur Annette kann nicht akzeptieren, dass ihre Freundin diese Entscheidung selbst treffen darf.
Regisseur Tom Brennan und Drehbuchautorin Emma Paetz haben ohne viel Budget ein stilsicheres und vielschichtiges Debüt hingelegt. Paetz verkörpert die widersprüchliche Protagonistin kontrollierend und verletzlich, rücksichtslos und voller künstlerischer Ambitionen – dabei denkbar schlecht darin, über ihre Gefühle zu sprechen. Anettes innere Konflikte manifestieren sich auf der Metaebene als fiktiver Sci-Fi-Thriller mit lynchiger Atmosphäre und campy Produktionsdesign. Zwischen Alienbabys, Vaginalsekret und einem mysteriösen Schwarzen Loch entfaltet sich ein unberechenbares Genrepuzzle voll absurdem Humor, das seine Konflikte nicht bequem auflösen muss, um sich am Ende zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen.
Tom Brennan, Emma Paetz | GBR 2025 | 89′ | OmeU
Mit Gästin: Emma Paetz