Das Transit Filmfest zeigt ASPARAGUS + THE COSMIC EYE.
ASPARAGUS
Zwischen Spargel und Scheiße sprießt die Schöpfungskraft: Animations-Ikone Suzan Pitt übergibt uns einem erotischen Bewusstseinsstrom.
Mit einem Akt der Defäkation beginnt ASPARAGUS eine Reise durch die Tiefen des Unbewussten, die wiederum in einem Akt der Fellatio mündet. Dazwischen entfaltet sich ein psychedelischer Rausch, in dem Körper, Gegenstände und Räume in unaufhörlichen Zyklen ihre Gestalt verändern. Phallische Spargelstangen sprießen zu zarten Farnen, Interieurs öffnen sich zu surrealen Traumlandschaften, und jede Szene gebiert die nächste.
Zu einer Zeit, in der die Animationslandschaft stark männlich geprägt war, erforschte Suzan Pitt weibliche Sexualität und das Unbewusste mit einer kompromisslosen Bildsprache. Dass ASPARAGUS fast zwei Jahre lang als Vorfilm von David Lynchs ERASERHEAD im amerikanischen Mitternachtskino lief, verwundert wenig. Schließlich entzieht sich die traumwandlerische Dramaturgie des Spargel-Deliriums jeder linearen Logik. ASPARAGUS lässt sich als erotische Allegorie auf den kreativen Prozess verstehen: ein Kreislauf aus Begehren und Entdeckung, Aufnahme und Ausstoß, schöpferischem Impuls und Erneuerung.
Suzan Pitt | USA 1979 | 20′ | OmeU
THE COSMIC EYE
Zwischen Dizzy Gillespie und Wassily Kandinsky hält Faith Hubley unbeirrt an der New-Age-Fantasie einer besseren Welt fest. Peace!
Drei außerirdische Musiker*innen machen einen Abstecher zur Erde und beobachten das Treiben ihrer Bewohner*innen. Auf ihrer Reise durch Schöpfungsmythen begegnen sie einer überwältigenden Vielfalt kultureller Bildwelten: Indigene Kunsttraditionen aus Asien, Afrika und Nordamerika treffen auf die fantasievollen Formen von Paul Klee, Joan Miró und Wassily Kandinsky. Getragen von einer jazzdurchtränkten Klanglandschaft und der Stimme der Bebop-Legende Dizzy Gillespie als Father Time entfaltet sich ein freifließender Kosmos jenseits konventioneller Erzählstrukturen.
Wie in den animierten Musik-Epen FANTASIA oder ALLEGRO NON TROPPO folgt der Film weniger einer linearen Handlung als dem Rhythmus von Musik und Bildern. Die Animationen reagieren auf vorab aufgezeichnete Gespräche von Faith Hubleys Kindern, die nicht wussten, dass sie aufgenommen wurden. So treffen kosmische Schöpfungsmythen auf beiläufige menschliche Gedanken, während die Zukunft unseres Planeten zur Verhandlung steht.
Vor THE COSMIC EYE zeigen wir den Kurzfilm HER GRANDMOTHER’S GIFT (USA 1995 | 4′) von Faiths Tochter Emily Hubley. Mit Collagen, Fotografien und Cut-out-Animationen erkundet sie den Blick ihrer Großmutter auf Menstruation und Weiblichkeit – ein intimes, generationenübergreifendes Spiel mit Frauenbildern und Körpergeschichte.
Faith Hubley | USA 1986 | 72′ | OV
mit Online-Q&A: Emily Hubley
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