BARRIO TRISTE
Am Rand der ramponierten Straßen stehen unverputze, graffitiverschmierte Backsteinwände mit Löchern statt Fenstern und Treppen ohne Geländer. Punkbands proben auf Flachdächern und auf improvisierten Mini-Altären kleben Vermisstenplakate. Die geklaute, wackelige Handkamera lässt die Szenerie zu grobkörnigen Pixelwolken verschwimmen. Jugendliche mit rasierten Schädeln und abgerissenen Klamotten irrlichtern durch die Gassen. Sie zünden Autos an, versuchen sich amateurhaft an einem Juwelierüberfall oder starren in alte Röhrenfernseher. Wenigstens blicken wir von den Hügeln der Vororte nachts auf die flackernden Lichter der Millionenmetropole Medellín. Willkommen im BARRIO TRISTE, im traurigen Viertel.
Schroff, dreckig und widerständig ist nicht nur das braungraue Betacam-Found-Footage, mit dem uns Stillz, Mitglied von Harmony Korines EDGLRD-Kollektiv, in seine Heimat entführt. Es braucht wenig Gewalt on-screen, um zu spüren, was die kahle Trostlosigkeit mit ihren Bewohner*innen anstellt. Und doch entwickeln die ziellosen Wanderungen durch die labyrinthartige Großstadt einen hypnotischen Sog. Das liegt auch am omnipräsenten Score von Arca, der mal metallisch rasselt, mal dissonant rauscht. Und je dunkler es wird, desto mehr schleicht sich die Ahnung ein: Irgendwo unter dem ganzen Schutt und Müll verbirgt sich ein Lichtblick. Doch das muss man wahrscheinlich selbst gesehen und gefühlt haben, um es zu verstehen.
Stillz | COL/USA 2026 | 89′ | OmU

