Das Transit Filmfest zeigt MAG MAG (禍禍女): Ein Plus-Size-Rachegeist und eimerweise Gleitgel: Diese groteske J-Horror-Satire dekonstruiert nicht nur das Genre, sondern auch uralte patriarchale Mythen.
Ein blasses Gesicht hinter langen schwarzen Strähnen, ein zerrissenes weißes Kleid. Spätestens seit THE RING kennen Horror-Fans diese Darstellung der ›Onryō‹: Rachegeister, die nach einem gewaltsamen Tod zurückkehren und ihre Mörder heimsuchen. Obwohl nicht an ein Geschlecht gebunden, wird deren Erscheinungsbild seit Jahrhunderten von untoten Frauen geprägt.
MAG MAG setzt hier an und hinterfragt mit dreister Schamlosigkeit die Darstellung weiblicher Wut im Horrorkino und gesellschaftliche Erwartungen an Frauen in heteronormativen Paarbeziehungen. Regisseurin Yuriyan Retriever beweist dabei J-Horror-Knowhow, paart fiese Schocker mit absurder Comedy und bricht kreativ wie gewitzt vertraute Konventionen. So verwandelt MAG MAG sich in eine unvorhersehbare Satire, die hemmungslos zwischen Eimern voller Gleitgel, hingepissten Title-Cards und Slice-of-Life-Reality-TV hin- und herspringt. Und mit jedem malträtierten Macho offenbart sich ein bisschen mehr, dass hinter diesem filmgewordenen Genre-Fleischwolf eine smarte Auseinandersetzung mit Liebe, Obsession und patriarchalen Zwängen steckt.
Yuriyan Retriever | JAP 2025 | 112′ | OmeU