Heilig Abend
24. Dezember, kurz vor Mitternacht. Judith, Philosophieprofessorin, wird von der Polizei aus dem Taxi heraus »zu einer Befragung gebeten«. Ein Ermittler, Thomas, ist überzeugt, dass sie in einen geplanten Anschlag verwickelt ist, der in derselben Nacht stattfinden soll. Es bleiben noch 90 Minuten.
Was folgt, ist ein intensives und vielschichtiges Duell. Thomas versucht, Judith festzunageln, konfrontiert sie mit verschiedenen Szenarien, zieht Schlüsse. Judith bleibt ruhig, widerspricht selten direkt und entzieht sich immer wieder seinen Versuchen, Gewissheit zu schaffen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Überzeugung und Manipulation, Schuld und Unschuld – und keiner der beiden kann sicher sein, ob die andere Seite nicht vielleicht doch mehr weiß, als sie zugibt.
Daniel Kehlmann verdichtet die Handlung auf einen einzigen Raum und einen einzigen Abend. Kein Ortswechsel, kein Ausweg, kein Außen mehr – nur zwei Menschen, die sich in Sprache verbeißen, während die Zeit bis Mitternacht unaufhaltsam verrinnt. Mit scharfem Witz, überraschenden Wendungen und großer sprachlicher Präzision entwickelt Kehlmann einen hochaktuellen Thriller über Angst, Kontrolle und die Zerbrechlichkeit demokratischer Werte. Ein packendes Kammerspiel, das sein Publikum bis zur letzten Minute in Atem hält.

